Räder und Material
Die Räder der Profis werden immer leichter, immer windschnittiger und immer steifer, an den Kurbelarmen wird gebastelt an Bremsen und an allem was zum Rad gehört.
Aber brauchen wir Amateur-Hobby-Athleten dieses Material?
Die Rahmer der Hersteller werden immer leichter und windschnittiger gebaut, verständlich wenn man bedenkt dass die Profis Durchschnittsgeschwindigkeiten von 40+ km/h fahren, aber wie schnell fährt der durchschnittliche Hobbyfahrer, um einiges langsamer.
Liest man dann Testberichte dass die Aerodynamik erst ab ca. 35 km/h zum tragen kommt, dann denke ich, der Großteil baucht dieses Material nicht, denn wer von uns fährt dieses Tempo auf lange Zeit, Ausnahmen unter uns.
Felgen und Felgenhöhen der Laufräder werden auf Aerodynamik getrimmt, Bremsen und Anbauteile werden auf Aerodynamik getrimmt nur um hier und da ein Zehntel schneller zu sein, sinnvoll für einen Profiradsportler bei dem es um Zehntel geht, bei dem ein Zehntel über Sieg und Niederlage entscheiden kann.
Es gibt ja im Profipeloton mittlerweile aerodynamische Räder für Zeitfahren und flache Strecken, und es gibt leichtere Räder für die Berge, recht und gut, aber wir müssen mit einem Rad zurecht kommen und können nicht beliebig wechseln.
Was ist also der Sinn der Radindustrie, top Modelle für Profis entwickeln und bauen und diese Exoten dem Amateur schmackhaft zu machen um genau was, um Umsatz zu erzielen, aber ob wir es brauchen ist dahin gestellt.
Sicher ist, wir sind Radsportverrückt und lassen uns oft von den Profis leiten und beeinflussen, denn wenn der Profi X dieses Rad fährt und Rennen gewinnt, dann kann ich doch auch schneller sein, das Rad wiegt ja 200 Gramm weniger.
Alles recht und gut, aber ein Pogacar oder jeder andere Profi hat eine andere Ernährung, ein anderes Training, denn er muss keine 7 Stunden einer geregelten Arbeit nachgehen, wird von Ärzten und Physiotherapeuten betreut und hat über Trainer und Sporttherapeuten ein gezieltes Aufbau- und Radtraining, was wir nicht haben.
Wir kaufen und Räder jenseits von 6000 Euro weil es uns gefällt, weil es unser Hobby ist und weil wir ein wenig verrückt sind.
Auch von der Industrie werden wir beeinflusst, gewollt oder ungewollt.
Beispiel Disk-Brakes.
Profis fahren mittlerweile alle Disc-Brakes, vielleicht nicht weil diese besser sind, sondern weil der Radhersteller das so vorgibt, das Material eines Profis wird zur Verfügung gestellt, keiner muss es bezahlen, vielleicht der Verbraucher, aber kein Profisportler, Laufräder und all das andere Material werden gestellt, also fahre ich das Material welches ich bekomme, ob Bremse A oder Bremse B besser ist, mir egal.
Ich als Hobbyfahrer kann ganz gut mir Felgenbremsen leben, und ich bremse nicht schlechter als die Kollegen mit Disk, obwohl ich zugeben muss dass ich bei Regen einen kleinen Nachteil habe, aber im trockenen bremse und stehe ich genau so schnell, aber das ist meine Ansicht.
Tretlagerkurbeln ein weiteres Beispiel, früher fuhr man auf der Straße 172,5 mm lange Kurbeln, dann kam irgendwann die Zeit wo es hieß, 180 mm Kurbeln sind besser, man hat einen längeren Hebel, was mehr Kraft bedeutete, was auch biomechanisch stimmt, aber man verliert an Kadenz.
Mittlerweile wird mit kurzen Kurbeln gefahren, was besser für Knie- und Hüftwinkel ist und man kann mit höherer Kadenz fahren, was Vorteile bringt (siehe verschiedene Berichte)
Viele meiner Kollegen haben sich jetzt kurze Kurbeln montiert, nicht weil sie schneller sind, nein, weil Profis kurze Kurbeln fahren.
Es geht im Allgemeinen um das Material und es rechtfertigt keine Preise von 12.000 Euro und mehr für eine Rennmaschine.
OK, ich fahre auch ein Cervelo, welches damals teuer war, ich fahre ein Simplon Nexio, das auch nicht gerade günstig war und ich habe mir vor kurzem mein Traum Rad gekauft, ein "Cipollini RB1K The One" das auch nicht günstig war, aber wie oben geschrieben, wir sind ein paar Spinner mit einem nicht günstigen Hobby und Sport.
Ob Kleidung, Radschuhe oder Ausrüstung, alles kostet Geld, und das nicht wenig, aber es ist es uns wert, sage ich mal.
Und wenn ein Kollege mit neuen Laufrädern ankommt, sind wir ehrlich, wie oft kommt dann der Gedanke, sind schön, sind toll, sollte ich auch......
Wenn ich mir dann vorstelle dass auch bei mir die Unvernunft oft gesiegt hat, denke ich oft, mein lieber Mann, du musst verrückt sein!
Aber das ist eine Sache die jeder Einzelne von uns mit sich ausmachen muss, helfen können da Außenstehende nicht.
Wir sind alle ein bisschen verrückt und wir werden es wahrscheinlich auch bleiben.
Was denkt ihr darüber, ihr könnt gerne Kommentare hier lassen, es würde mich freuen.
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